Eine kurzfristige Beschäftigung ist eine von vornherein befristete, nicht berufsmäßig ausgeübte Beschäftigung, die nach § 8 Abs. 1 Nr. 2 SGB IV innerhalb eines Kalenderjahres auf höchstens drei Monate oder 70 Arbeitstage begrenzt ist; in landwirtschaftlichen Betrieben gelten 15 Wochen oder 90 Arbeitstage.
Eine kurzfristige Beschäftigung ist ein Minijob, der nicht über den Verdienst, sondern über die Dauer definiert ist: höchstens drei Monate oder 70 Arbeitstage im Kalenderjahr, von vornherein befristet und nicht berufsmäßig ausgeübt. Dann fallen keine Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung an – unabhängig davon, wie viel verdient wird.
Typische Einsätze sind Ferienjobs, Saisonarbeit oder Aushilfen in Spitzenzeiten. Dieser Eintrag erklärt die Zeitgrenzen, die Prüfung der Berufsmäßigkeit, Sonderfälle für Schüler und Studierende, das Meldeverfahren und – getrennt davon – die Regeln zur pauschalen Lohnsteuer.
Definition und Dauer
Definition der kurzfristigen Beschäftigung
Nach § 8 Abs. 1 Nr. 2 SGB IV ist eine Beschäftigung kurzfristig, wenn sie innerhalb eines Kalenderjahres auf längstens drei Monate oder 70 Arbeitstage begrenzt ist – entweder vertraglich oder weil sie ihrer Art nach begrenzt ist. Die Befristung muss bei Beginn feststehen. Außerdem darf die Beschäftigung nicht berufsmäßig ausgeübt werden, sofern der Verdienst über der Geringfügigkeitsgrenze von 603 Euro im Monat liegt. Seit 2026 gilt in landwirtschaftlichen Betrieben eine erweiterte Zeitgrenze von 15 Wochen oder 90 Arbeitstagen.
Zeitgrenzen: 70 Arbeitstage oder 3 Monate
Drei Monate und 70 Arbeitstage sind gleichwertige Alternativen. Es kommt nicht darauf an, an wie vielen Tagen pro Woche gearbeitet wird: Die Voraussetzung ist erfüllt, wenn die Beschäftigung entweder auf höchstens drei Monate befristet ist oder bei längerer Laufzeit auf höchstens 70 Arbeitstage. So legen es die Geringfügigkeits-Richtlinien der Sozialversicherungsträger im Anschluss an ein Urteil des Bundessozialgerichts von 2020 fest.
Mehrere kurzfristige Beschäftigungen im selben Kalenderjahr werden zusammengerechnet, auch wenn sie bei verschiedenen Arbeitgebern ausgeübt werden. Bei der Zusammenrechnung treten an die Stelle der drei Monate 90 Kalendertage. Der Arbeitgeber muss deshalb bei jedem neuen Einsatz prüfen, welche kurzfristigen Beschäftigungen es im laufenden Jahr schon gab. Werden die Zeitgrenzen überschritten, ist die Beschäftigung nicht mehr kurzfristig und wird sozialversicherungsrechtlich regulär beurteilt.
Für wiederkehrende Einsätze beim selben Arbeitgeber ist eine Rahmenvereinbarung möglich. Sie darf höchstens ein Jahr laufen und bis zu 70 Arbeitstage umfassen.
Berufsmäßigkeit und Entgeltgrenzen
Definition und Bedeutung der Berufsmäßigkeit
Berufsmäßig ist eine Beschäftigung, wenn sie für die Person nicht von untergeordneter wirtschaftlicher Bedeutung ist, also zum Lebensunterhalt beiträgt. Geprüft werden muss das nur, wenn der Verdienst über 603 Euro im Monat liegt. Liegt er darunter, spielt die Berufsmäßigkeit keine Rolle.
Nicht berufsmäßig sind in der Regel Beschäftigungen neben einer Hauptbeschäftigung, neben einer selbstständigen Tätigkeit oder von Personen, die ihren Lebensunterhalt anderweitig sichern. Als berufsmäßig gelten dagegen zum Beispiel Beschäftigungen von Personen, die bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend gemeldet sind, und Beschäftigungen während einer unbezahlten Freistellung oder Elternzeit aus der Hauptbeschäftigung. Berufsmäßigkeit wird außerdem ohne weitere Prüfung angenommen, wenn die Beschäftigungszeiten im Kalenderjahr insgesamt mehr als drei Monate oder 70 Arbeitstage betragen. Arbeitgeber sollten die nötigen Angaben schriftlich abfragen; die Minijob-Zentrale stellt dafür eine Checkliste bereit.
Regelungen zur Geringfügigkeitsgrenze
Anders als der Minijob mit Verdienstgrenze hat die kurzfristige Beschäftigung keine Obergrenze für den Verdienst. Die Geringfügigkeitsgrenze von 603 Euro im Monat (seit 1. Januar 2026) ist hier nur die Schwelle, ab der die Berufsmäßigkeit geprüft werden muss. Die Regeln für Verdienste bis zu dieser Grenze erklärt der Eintrag Minijob.
Ist eine Beschäftigung nicht kurzfristig, wird sie nach ihrem Verdienst beurteilt: bis 603 Euro als Minijob mit Verdienstgrenze, zwischen 603,01 und 2.000 Euro im Übergangsbereich (siehe Midijob) und darüber als reguläre sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.
Spezielle Regelungen für Schüler und Studenten
Sozialversicherungsfreiheit für Schüler
Ferienjobs von Schülerinnen und Schülern gelten als Beschäftigungen von untergeordneter wirtschaftlicher Bedeutung und damit als nicht berufsmäßig. Halten sie die Zeitgrenzen ein, bleiben sie in allen Zweigen der Sozialversicherung beitragsfrei. Anders ist es bei Schulabgängern: Eine befristete Beschäftigung zwischen Schulende und dem Beginn einer betrieblichen Ausbildung, eines dualen Studiums oder eines Freiwilligendienstes gilt als berufsmäßig. Liegt der Verdienst dann über 603 Euro im Monat, ist sie nicht kurzfristig.
Werkstudentenprivileg für Studenten
Studierende können wie alle anderen kurzfristig beschäftigt sein. Halten sie die Zeitgrenzen ein, sind sie in allen Zweigen versicherungsfrei, auch wenn sie mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten.
Davon zu trennen ist das Werkstudentenprivileg, das für längere Beschäftigungen neben dem Studium gilt. Werkstudenten sind in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung versicherungsfrei, in der Rentenversicherung aber pflichtversichert. Voraussetzung ist, dass sie in der Regel nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten. Mehr als 20 Stunden sind unschädlich, wenn die Arbeit in den Semesterferien liegt oder die Mehrarbeit auf Abend-, Nacht- oder Wochenendstunden fällt; insgesamt darf die Beschäftigung mit mehr als 20 Wochenstunden nicht mehr als 26 Wochen im Jahr umfassen. Der Status als Student geht bei Überschreiten nicht verloren – es entfällt nur die Versicherungsfreiheit für diese Beschäftigung.
Meldeverfahren und Beiträge
DEÜV-Meldeverfahren bei kurzfristigen Beschäftigungen
Kurzfristige Beschäftigungen werden bei der Minijob-Zentrale mit dem Personengruppenschlüssel 110 gemeldet. Es sind grundsätzlich dieselben Meldungen zu erstatten wie für versicherungspflichtig Beschäftigte, jedoch keine Jahresmeldung; die besondere Jahresmeldung zur Unfallversicherung ist dagegen abzugeben. An- und Abmeldung können getrennt (Abgabegründe 10 und 30) oder gemeinsam (Abgabegrund 40) erfolgen. Alle Beitragsgruppen werden mit 0 verschlüsselt, das beitragspflichtige Entgelt mit 0 Euro angegeben.
Seit 2022 müssen Arbeitgeber bei der Anmeldung zusätzlich angeben, wie die beschäftigte Person krankenversichert ist, und den Nachweis zu den Entgeltunterlagen nehmen. Denn aus der kurzfristigen Beschäftigung selbst entsteht kein Krankenversicherungsschutz.
Beiträge zur Unfallversicherung
Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung fallen nicht an. Der Arbeitgeber zahlt aber die Umlagen U1 und U2 sowie im gewerblichen Bereich die Insolvenzgeldumlage an die Minijob-Zentrale. Kurzfristig Beschäftigte sind gesetzlich unfallversichert; die Beiträge dafür gehen an die zuständige Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse, im Privathaushalt über die Minijob-Zentrale.
Lohnsteuer: Pauschalierung getrennt betrachten
Ob eine Beschäftigung sozialversicherungsrechtlich kurzfristig ist, sagt noch nichts über die Lohnsteuer. Grundsätzlich wird der Arbeitslohn nach den individuellen Lohnsteuerabzugsmerkmalen versteuert. Der Arbeitgeber kann die Lohnsteuer stattdessen pauschal erheben, wenn die eigenen Voraussetzungen des § 40a EStG erfüllt sind:
| Pauschalierung | Steuersatz | Voraussetzungen nach § 40a EStG |
|---|---|---|
| Kurzfristig Beschäftigte (Abs. 1) | 25 % | Gelegentliche, nicht regelmäßig wiederkehrende Beschäftigung, höchstens 18 zusammenhängende Arbeitstage und durchschnittlich höchstens 150 Euro je Arbeitstag – oder die Beschäftigung wird zu einem unvorhersehbaren Zeitpunkt sofort erforderlich |
| Aushilfen in der Land- und Forstwirtschaft (Abs. 3) | 5 % | Typisch land- und forstwirtschaftliche Arbeiten, keine Fachkraft, nicht mehr als 180 Tage im Kalenderjahr beim Arbeitgeber beschäftigt |
| Ausschluss (Abs. 4) | – | Keine Pauschalierung nach Abs. 1 und 3, wenn der Arbeitslohn durchschnittlich 19 Euro je Arbeitsstunde übersteigt |
Die 18 Arbeitstage, die 150 Euro je Arbeitstag und die 19 Euro je Stunde gelten nur für die Steuer. Für die Sozialversicherung zählen allein die drei Monate oder 70 Arbeitstage und die Berufsmäßigkeit. Eine Beschäftigung kann also sozialversicherungsfrei kurzfristig sein und trotzdem individuell versteuert werden müssen. Die pauschale Lohnsteuer nach Abs. 1 und 3 meldet der Arbeitgeber wie die übrige Lohnsteuer beim Finanzamt an; nur die einheitliche Pauschsteuer von 2 Prozent im Minijob mit Verdienstgrenze geht an die Minijob-Zentrale.
Schlussfolgerung
Die kurzfristige Beschäftigung ist ein flexibles Instrument für Spitzenzeiten und Saisonarbeit. Entscheidend sind drei Prüfungen: Ist der Einsatz von vornherein auf drei Monate oder 70 Arbeitstage begrenzt, auch zusammen mit Vorbeschäftigungen im Kalenderjahr? Ist er nicht berufsmäßig, wenn mehr als 603 Euro im Monat verdient werden? Und sind für eine pauschale Lohnsteuer die gesonderten Grenzen des § 40a EStG eingehalten? Wer diese Fragen sauber dokumentiert, vermeidet Nachforderungen bei Betriebsprüfungen.
FAQs
- Welche Vorteile bietet eine kurzfristige Beschäftigung?
Für die Beschäftigung fallen keine Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung an, und zwar unabhängig vom Verdienst. Arbeitgeber zahlen nur Umlagen und Unfallversicherung; Beschäftigte erhalten den Bruttolohn ohne Sozialabzüge. Dafür erwerben sie aus der Beschäftigung auch keine Ansprüche in diesen Versicherungszweigen. - Unter welchen Bedingungen gilt eine Beschäftigung als kurzfristig?
Sie muss von vornherein auf höchstens drei Monate oder 70 Arbeitstage im Kalenderjahr begrenzt sein, in der Landwirtschaft auf 15 Wochen oder 90 Arbeitstage. Liegt der Verdienst über 603 Euro im Monat, darf sie außerdem nicht berufsmäßig ausgeübt werden. - Wie erfolgt die Abrechnung bei einer kurzfristigen Beschäftigung?
Die Beschäftigung wird bei der Minijob-Zentrale mit Personengruppe 110 gemeldet, einschließlich der Angabe zur Krankenversicherung. Die Lohnsteuer wird nach den individuellen Lohnsteuerabzugsmerkmalen erhoben oder – wenn die Voraussetzungen des § 40a EStG erfüllt sind – pauschal mit 25 Prozent, in der Land- und Forstwirtschaft mit 5 Prozent. - Welche Arbeitszeitgrenzen gelten für kurzfristig Beschäftigte?
Es gelten die allgemeinen Regeln des Arbeitszeitgesetzes: werktäglich grundsätzlich höchstens acht Stunden; eine Verlängerung auf bis zu zehn Stunden ist möglich, wenn im Durchschnitt von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden. Mehr dazu im Eintrag Arbeitszeitgesetz.
- § 8 SGB IV – Geringfügige Beschäftigung und geringfügige selbständige Tätigkeit (gesetze-im-internet.de) (abgerufen am 30.09.2026)
- Kurzfristige Beschäftigung (Minijob-Zentrale) (abgerufen am 30.09.2026)
- Kurzfristiger Minijob: So prüfen Arbeitgeber Berufsmäßigkeit (Minijob-Magazin der Minijob-Zentrale) (abgerufen am 30.09.2026)
- Kurzfristige Minijobs ab 2022: Angaben zur Krankenversicherung (Minijob-Magazin der Minijob-Zentrale) (abgerufen am 30.09.2026)
- Geringfügigkeits-Richtlinien vom 5. Januar 2026 (GKV-Spitzenverband, DRV Bund, BA; bei der Minijob-Zentrale) (abgerufen am 30.09.2026)
- Minijob 2026: Mehr Verdienst, neue Regeln und Änderungen (Minijob-Magazin der Minijob-Zentrale) (abgerufen am 30.09.2026)
- § 40a EStG – Pauschalierung der Lohnsteuer für Teilzeitbeschäftigte und geringfügig Beschäftigte (gesetze-im-internet.de) (abgerufen am 30.09.2026)
- Lexikon: Werkstudentenprivileg (Deutsche Rentenversicherung, summa summarum) (abgerufen am 30.09.2026)
- § 3 ArbZG – Arbeitszeit der Arbeitnehmer (gesetze-im-internet.de) (abgerufen am 30.09.2026)



