Vermögenswirksame Leistungen, oft abgekürzt als VL oder VWL, sind Geldleistungen, die der Arbeitgeber für den Arbeitnehmer oder andere Begünstigte in einer der im deutschen Fünften Vermögensbildungsgesetz (5. VermBG) genannten Anlageformen anlegt.
Vermögenswirksame Leistungen (VL oder VWL) helfen Beschäftigten, regelmäßig Vermögen aufzubauen. Der Arbeitgeber überweist dabei einen Betrag direkt in einen Sparvertrag, Bausparvertrag oder Fondssparplan. Liegt das Einkommen unter bestimmten Grenzen, legt der Staat mit der Arbeitnehmer-Sparzulage etwas dazu.
Dieser Ratgeber erklärt, wie VL funktionieren, welche Anlageformen es gibt, wann und in welcher Höhe es die Arbeitnehmer-Sparzulage gibt und wie Beschäftigte einen VL-Vertrag einrichten. Außerdem geht es um Steuern und Sozialabgaben.
Was sind vermögenswirksame Leistungen (VWL)?
Grundlage ist das Fünfte Vermögensbildungsgesetz (5. VermBG). Es bestimmt, welche Anlageformen begünstigt sind, wer gefördert wird und wann es die Arbeitnehmer-Sparzulage gibt.
Ob und in welcher Höhe der Arbeitgeber VL zahlt, ergibt sich nicht aus dem Gesetz, sondern aus Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung oder Arbeitsvertrag. Eine gesetzliche Obergrenze für die Zahlung des Arbeitgebers gibt es nicht; staatlich gefördert werden aber nur Anlagebeträge bis zu bestimmten Höchstbeträgen (siehe unten). Zahlt der Arbeitgeber keine oder nur geringe VL, können Beschäftigte verlangen, dass Teile ihres Arbeitslohns vermögenswirksam angelegt werden (§ 11 5. VermBG).
Gefördert werden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einschließlich der Auszubildenden sowie Heimarbeiter (§ 1 5. VermBG). Für Beamte, Richter, Berufssoldaten und Soldaten auf Zeit gilt das Gesetz entsprechend (§ 1 Abs. 4 5. VermBG).
Der Arbeitgeber überweist die VL direkt auf den Vertrag, den der Beschäftigte benennt. Arbeitsrechtlich sind VL Bestandteil des Lohns oder Gehalts. Sie sind steuerpflichtig und beitragspflichtig in der Sozialversicherung (§ 2 5. VermBG). Die Arbeitnehmer-Sparzulage selbst ist dagegen weder steuerpflichtige Einnahme noch Arbeitsentgelt in der Sozialversicherung (§ 13 Abs. 3 5. VermBG).
Arten von VWL-Sparmodellen
§ 2 Abs. 1 5. VermBG zählt die möglichen Anlageformen auf. In der Praxis sind drei Varianten verbreitet.
Banksparpläne
Beim Banksparplan (Sparvertrag nach § 2 Abs. 1 Nr. 6 5. VermBG) wird das Geld auf einem Sparkonto angelegt. Die Anlageform gilt als sicher, die Zinsen hängen vom jeweiligen Angebot ab. Eine Arbeitnehmer-Sparzulage gibt es für Banksparpläne nicht, weil § 13 Abs. 2 5. VermBG nur Anlagen nach § 2 Abs. 1 Nr. 1 bis 5 fördert.
Bausparverträge
Bausparverträge verbinden eine Sparphase mit dem Anspruch auf ein Bauspardarlehen. Sie eignen sich für Beschäftigte, die später eine Immobilie kaufen, bauen oder modernisieren möchten. VL auf einen Bausparvertrag oder zur Tilgung eines Wohnungsbaudarlehens (§ 2 Abs. 1 Nr. 4 und 5 5. VermBG) werden mit 9 Prozent Arbeitnehmer-Sparzulage gefördert, sofern die Einkommensgrenze eingehalten ist. Ob zusätzlich eine Wohnungsbauprämie in Betracht kommt, richtet sich nach dem Wohnungsbau-Prämiengesetz.
Fondssparpläne
Mit einem Sparvertrag über Wertpapiere (§ 2 Abs. 1 Nr. 1 5. VermBG) fließen die VL zum Beispiel in Aktienfonds. Die Renditechancen sind höher als beim Sparkonto, ebenso das Risiko von Kursverlusten. Die Anlage wird mit 20 Prozent Arbeitnehmer-Sparzulage gefördert, sofern die Einkommensgrenze eingehalten ist. Die angelegten Wertpapiere sind sieben Jahre festgelegt (Sperrfrist nach § 4 Abs. 2 5. VermBG).
Staatliche Förderung und Arbeitnehmersparzulage
Voraussetzungen
Anspruch auf die Arbeitnehmer-Sparzulage besteht nur, wenn die VL in eine geförderte Anlageform nach § 2 Abs. 1 Nr. 1 bis 5 5. VermBG fließen und das Einkommen die Grenze nicht übersteigt. Seit dem 1. Januar 2024 liegt sie bei 40.000 Euro zu versteuerndem Einkommen im Jahr, bei Zusammenveranlagung von Ehe- oder Lebenspartnern bei 80.000 Euro (§ 13 Abs. 1 5. VermBG).
Höhe der Förderung
Die Zulage wird auf die angelegten VL gezahlt, aber nur bis zu einem Höchstbetrag der Anlage pro Kalenderjahr (§ 13 Abs. 2 5. VermBG):
| Anlageform | Zulage | Geförderter Anlagebetrag pro Jahr | Zulage höchstens |
|---|---|---|---|
| Bausparvertrag, Tilgung Wohnungsbaudarlehen | 9 Prozent | bis 470 Euro | 42,30 Euro |
| Wertpapiere und andere Vermögensbeteiligungen | 20 Prozent | bis 400 Euro | 80 Euro |
Beide Förderwege lassen sich kombinieren. Wer 470 Euro in einen Bausparvertrag und 400 Euro in einen Fondssparplan anlegt, kann zusammen bis zu 122,30 Euro Zulage im Jahr erhalten. Die Höchstbeträge gelten je Arbeitnehmer: Sind beide Ehepartner beschäftigt und haben eigene VL-Verträge, kann jeder die Zulage bekommen.
Antragstellung
Die Arbeitnehmer-Sparzulage setzt das Finanzamt auf Antrag fest; der Antrag ist nach amtlich vorgeschriebenem Vordruck zu stellen (§ 14 Abs. 4 5. VermBG). In der Praxis geschieht das mit der Einkommensteuererklärung. Die nötigen Angaben zur Anlage übermittelt der Anbieter elektronisch an das Finanzamt, wenn Sie dem zugestimmt haben (§ 15 Abs. 1 5. VermBG). Ausgezahlt wird die festgesetzte Zulage in der Regel erst, wenn die Sperrfrist abgelaufen oder der Bausparvertrag zugeteilt ist.
Wie kann man VWL nutzen?
Vorbereitung
Klären Sie zuerst, ob Ihr Arbeitgeber VL zahlt und in welcher Höhe. Das steht meist im Arbeits- oder Tarifvertrag; sonst hilft die Personalabteilung weiter. Prüfen Sie außerdem, ob Ihr Einkommen unter der Grenze für die Arbeitnehmer-Sparzulage liegt und ob Sie den Betrag aus eigenem Lohn aufstocken möchten.
Auswahl des Sparmodells
Danach wählen Sie die Anlageform. Bausparverträge passen zu Wohnplänen, Fondssparpläne zu langfristigem Vermögensaufbau mit höherem Risiko, Banksparpläne zu sicherheitsorientierten Sparern ohne Zulage. Achten Sie auf Kosten, Laufzeit und Sperrfristen des jeweiligen Angebots.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Erkundigung beim Arbeitgeber: Klären Sie, ob und in welcher Höhe Sie VL erhalten.
- Abschluss eines Sparvertrags: Schließen Sie einen VL-fähigen Vertrag ab. Beachten Sie die Bindung: Bei einem Sparvertrag über Wertpapiere gilt eine Sperrfrist von sieben Jahren.
- Vertragsdaten an den Arbeitgeber geben: Legen Sie dem Arbeitgeber die Bescheinigung oder die Vertragsdaten des Anbieters vor, damit er die VL direkt überweisen kann.
- Zulage beantragen: Liegt Ihr Einkommen unter der Grenze, beantragen Sie die Arbeitnehmer-Sparzulage jährlich beim Finanzamt, üblicherweise mit der Einkommensteuererklärung.
Tipps für Arbeitgeber und Arbeitnehmer
Aufstockung der VWL
Zahlt der Arbeitgeber weniger als die geförderten Anlagebeträge von 470 beziehungsweise 400 Euro im Jahr, können Beschäftigte die Differenz aus ihrem eigenen Lohn vermögenswirksam anlegen lassen (§ 11 5. VermBG). So lässt sich die Arbeitnehmer-Sparzulage voll ausschöpfen, sofern die Einkommensgrenze eingehalten ist. Auch die aufgestockten Beträge fließen direkt vom Arbeitgeber in den Vertrag.
Zusätzliche Sparoptionen
Neben VL können Beschäftigte weitere Wege zum Vermögensaufbau nutzen, zum Beispiel die betriebliche Altersvorsorge oder eine Beteiligung am Unternehmen des Arbeitgebers. Welche Form passt, hängt vom Sparziel ab, etwa Altersvorsorge oder Wohneigentum, und von der eigenen Risikobereitschaft.
Nutzung von Software für die Abrechnung
Arbeitgeber bilden VL in der Entgeltabrechnung ab: Der VL-Betrag erhöht das steuer- und beitragspflichtige Brutto und wird anschließend vom Netto an den Anbieter überwiesen. Eine Lohnabrechnungssoftware erleichtert diese Buchung und die Verwaltung der Vertragsdaten. Mehr zum Aufbau der Abrechnung lesen Sie im Beitrag Lohnabrechnung verstehen.
Häufige Fragen und Antworten zu VWL
Ansprüche
Einen allgemeinen gesetzlichen Anspruch auf arbeitgeberfinanzierte VL gibt es nicht. Er besteht nur, wenn Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung oder Arbeitsvertrag ihn vorsehen. Freie Mitarbeiter, Selbstständige und Rentner sind keine Arbeitnehmer im Sinne des 5. VermBG. Die Arbeitnehmer-Sparzulage gibt es nur für geförderte Anlageformen und unterhalb der Einkommensgrenze.
Anlageformen
VL können unter anderem in Banksparpläne, Bausparverträge oder Fondssparpläne fließen. Gefördert werden Bausparverträge mit 9 Prozent auf Anlagebeträge bis 470 Euro im Jahr und Fondssparpläne mit 20 Prozent auf Anlagebeträge bis 400 Euro im Jahr. Banksparpläne erhalten keine Zulage.
Steuern und Sozialabgaben
VL gehören zum steuer- und beitragspflichtigen Arbeitslohn. Sie werden also wie das übrige Gehalt versteuert und verbeitragt und dann aus dem Netto an den Anbieter überwiesen. Die Arbeitnehmer-Sparzulage ist steuerfrei und kein Arbeitsentgelt in der Sozialversicherung. Davon zu unterscheiden sind Vermögensbeteiligungen am Unternehmen des Arbeitgebers, die dieser unentgeltlich oder verbilligt überlässt: Der Vorteil ist nach § 3 Nr. 39 EStG bis 2.000 Euro im Kalenderjahr steuerfrei, wenn die dort genannten Voraussetzungen erfüllt sind.
Schlussfolgerung
Vermögenswirksame Leistungen sind ein einfacher Weg, regelmäßig zu sparen: Der Arbeitgeber zahlt direkt in einen Vertrag ein, und bei einem zu versteuernden Einkommen bis 40.000 Euro (Zusammenveranlagung 80.000 Euro) kommt die Arbeitnehmer-Sparzulage hinzu. Gefördert werden Anlagebeträge bis 470 Euro im Jahr beim Bausparen und bis 400 Euro bei Wertpapieren.
Für Arbeitgeber können VL ein Baustein der Vergütung sein. Beschäftigte sollten prüfen, ob sie die geförderten Beträge ausschöpfen und ob Anlageform, Kosten und Sperrfristen zu ihren Zielen passen.
- Fünftes Vermögensbildungsgesetz (5. VermBG) (abgerufen am 30.09.2026)
- § 13 5. VermBG – Anspruch auf Arbeitnehmer-Sparzulage (abgerufen am 30.09.2026)
- Deutsche Rentenversicherung rvRecht: § 13 5. VermBG, Fassung ab 01.01.2024 (abgerufen am 30.09.2026)
- § 14 5. VermBG – Festsetzung der Arbeitnehmer-Sparzulage (abgerufen am 30.09.2026)
- § 3 EStG – Steuerfreie Einnahmen (Nr. 39: Vermögensbeteiligungen) (abgerufen am 30.09.2026)
- Wohnungsbau-Prämiengesetz (WoPG), § 2 (abgerufen am 30.09.2026)



