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Passive Personalbeschaffung: Finden lassen statt suchen

Während die aktive Personalbeschaffung oft im Vordergrund steht, bietet die passive Personalbeschaffung eine wertvolle Ergänzung.

Geschäftsführer
Veröffentlicht Aktualisiert 7 Min. Lesezeit
Titelgrafik „Passive Personalbeschaffung – Wie sich Unternehmen finden lassen statt suchen“ mit Angel und Fisch

Auf einem zunehmend umkämpften Arbeitsmarkt brauchen Unternehmen innovative und effiziente Rekrutierungsstrategien, um die besten Talente zu gewinnen. Während die aktive Personalbeschaffung oft im Vordergrund steht, ist die passive Personalbeschaffung eine wertvolle Ergänzung, die häufig übersehen wird.

Mit dem Fokus auf Initiativbewerbungen und Bewerberdatenbanken zieht die passive Personalrekrutierung kontinuierlich qualifizierte Kandidaten an und baut eine nachhaltige Talentpipeline auf. Dieser Text erläutert Methoden, Vorteile und Instrumente der passiven Personalbeschaffung im Detail.

Auf einen Blick
  1. 01Passive Sourcing konzentriert sich auf Kandidaten, die nicht auf eine bestimmte Stellenanzeige reagieren, sondern über Initiativbewerbungen oder Bewerberdatenbanken gefunden werden.
  2. 02Passive Sourcing zieht kontinuierlich und kosteneffizient Talente an, weil es bestehende Ressourcen wie Bewerberdatenbanken nutzt und eine nachhaltige Talentpipeline aufbaut.
  3. 03Die besten Ergebnisse liefert eine strategische Kombination aus aktiver und passiver Personalbeschaffung: Sie behebt kurzfristige Engpässe und zieht langfristig qualifizierte Kandidaten an.

Was ist Personalbeschaffung?

Definition

Die Personalbeschaffung ist eine zentrale Aufgabe der Personalabteilung mit dem Ziel, neue Mitarbeitende zu gewinnen. Sie umfasst alle Prozesse und Maßnahmen, die zur Identifizierung und Anwerbung geeigneter Kandidaten führen, und gehört zum Personalmanagement (Human Resource Management, HRM).

Gegenüberstellung: Bei aktiver Personalbeschaffung spricht das Unternehmen Kandidaten an, bei passiver kommen Kandidaten auf das Unternehmen zu

Aktive und passive Personalbeschaffungsmaßnahmen

Zwei Hauptstrategien haben sich etabliert: Active Sourcing und Passive Sourcing. Beide haben eigene Vorteile und lassen sich je nach Bedarf und Situation gezielt einsetzen, um den Rekrutierungsprozess zu optimieren.

Active Sourcing

Die aktive Personalbeschaffung beschreibt die proaktive Suche nach neuem Personal: Stellenanzeigen schalten, an Jobmessen teilnehmen und Kandidaten direkt über Plattformen wie LinkedIn ansprechen. Ein typisches Beispiel ist die gezielte Ansprache von Fachkräften in beruflichen Netzwerken, um sie auf offene Stellen aufmerksam zu machen. Die Methode wird häufig in der externen Personalbeschaffung eingesetzt, um Talente von außerhalb des Unternehmens zu gewinnen.

Passive Sourcing

Die passive Personalbeschaffung wertet eingehende Initiativbewerbungen aus und durchsucht Bewerberdatenbanken nach geeigneten Kandidaten. Sie setzt auf die Attraktivität des Unternehmens – darauf, dass sich qualifizierte Bewerbende von selbst melden.

Schema: Active Sourcing über LinkedIn, Xing und Facebook, passives Recruiting über Jobbörsen wie Indeed, StepStone und Monster

Ein Beispiel ist eine gut strukturierte Bewerberdatenbank, in der potenzielle Kandidaten gespeichert und bei Bedarf kontaktiert werden. Die Methode funktioniert intern wie extern.

Vor- und Nachteile aktiver und passiver Personalbeschaffungsmaßnahmen

Ob Passive oder Active Sourcing besser passt, hängt von den Bedürfnissen und Zielen Ihres Unternehmens ab. Beide Methoden haben Vorteile und Herausforderungen:

Aktive PersonalbeschaffungPassive Personalbeschaffung
VorteileGeht gezielt und unmittelbar auf den aktuellen Bedarf ein; direkte Ansprache beschleunigt den Prozess und erfüllt spezifische Anforderungen besserZieht kontinuierlich und kosteneffizient Arbeitskräfte an; nutzt bestehende Bewerberdatenbanken und Initiativbewerbungen
NachteileZeit- und kostenintensiv; stark abhängig von Marktverfügbarkeit und Trends auf dem ArbeitsmarktWeniger direkt – bis die richtigen Kandidaten gefunden sind, kann es länger dauern
StärkeKurzfristige Personalengpässe behebenKontinuierliche Talentpipeline aufbauen
Vor- und Nachteile von Active Sourcing: gezielte Ansprache, Zeitersparnis, Wettbewerbsvorteil gegenüber Ressourcenaufwand und Rechtsgrenzen
Vor- und Nachteile von Passive Sourcing: geringere Kosten und kurze Time to Hire gegenüber begrenztem Pool und weniger Diversität

Kombination beider Methoden

Die eine beste Recruiting-Strategie gibt es nicht. In der Praxis liefert eine Kombination aus aktiver und passiver Personalbeschaffung die besten Ergebnisse: Aktive Maßnahmen beheben kurzfristige Engpässe, passive sorgen für eine kontinuierliche Talentpipeline. Kombinieren Sie beide Ansätze strategisch, um kurz- und langfristigen Personalbedarf optimal zu decken.

Bestandteile der passiven Personalbeschaffung

Passive Sourcing umfasst verschiedene interne Instrumente, mit denen Sie offene Positionen mit vorhandenen Talenten besetzen und die Mitarbeiterbindung stärken.

Interne Stellenausschreibungen

Eine interne Stellenausschreibung bietet offene Positionen zunächst den bestehenden Mitarbeitenden an. Das fördert die Karriereentwicklung im Unternehmen. Wer sich intern bewirbt, kennt Kultur und Abläufe – das verkürzt Einarbeitung und Besetzungszeit.

Versetzung und Beförderung

Treppengrafik „Upskilling“: vom Bestand über Schulungen und Weiterbildungen zum Bedarf

Versetzungen und Beförderungen decken den Personalbedarf durch die Umstrukturierung bestehender Teams. Sie bieten Aufstiegschancen und stärken die Bindung. Regelmäßige Mitarbeitergespräche helfen, Kandidaten für Beförderungen zu erkennen.

Mitarbeiterempfehlungen

Mitarbeitende, die neue Kolleginnen und Kollegen empfehlen, kennen das Unternehmen gut und können einschätzen, ob die empfohlene Person zur Kultur passt. Empfehlungsprogramme mit Prämien oder anderen Anreizen für erfolgreiche Empfehlungen machen das Instrument noch wirksamer.

Passive Sourcing: Die effektivsten Methoden

Mit passiver Personalgewinnung ziehen Sie kontinuierlich qualifizierte Kandidaten an, ohne umfangreiche Rekrutierungsmaßnahmen. Gezielte Strategien bauen eine nachhaltige Talentpipeline auf und sichern langfristig Ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Die Rolle von Candidate Personas

Recruiting-Kanäle in vier Feldern: Social Media, Jobbörsen, Jobnetzwerke und Suchmaschinen mit Beispiel-Logos

Karriereseiten

Die Karriereseite ist oft der erste Berührungspunkt für potenzielle Kandidaten. Sie sollte ansprechend gestaltet und leicht zu navigieren sein und über Unternehmen, Kultur, offene Stellen und den Bewerbungsprozess informieren. Erfolgsgeschichten von Mitarbeitenden, Videos und interaktive Elemente machen sie zusätzlich attraktiv.

SEO-optimiertes Recruiting

Eine SEO-optimierte Karriereseite ist in Suchmaschinen besser sichtbar und zieht mehr qualifizierte Bewerbende an. Dazu gehören relevante Keywords, optimierte Meta-Tags und eine mobilfreundliche Seite. Regelmäßige Aktualisierungen und neue Inhalte halten sie aktuell und attraktiv für Suchmaschinen.

Social Media

Plattformen wie LinkedIn und Xing eignen sich nicht nur für die aktive Rekrutierung, sondern auch als passive Kanäle. Wer Einblicke in die Unternehmenskultur, offene Stellen und Erfolgsgeschichten von Mitarbeitenden teilt, baut eine engagierte Community auf und zieht talentierte Kandidaten an.

Ringdiagramm zur Zahl der Social-Media-Nutzer in Deutschland nach Plattform, angeführt von Instagram und Facebook

Employer Branding

Ein starkes Employer Branding positioniert das Unternehmen als attraktiven Arbeitgeber. Es umfasst alle Maßnahmen, die das Arbeitgeberimage fördern – Unternehmenskultur, Arbeitsbedingungen und Karriereentwicklung – und verbessert zugleich die Mitarbeiterbindung.

Interne und externe Personalbeschaffung

Die interne Personalbeschaffung rekrutiert Mitarbeitende aus dem eigenen Unternehmen. Sie nutzt vorhandene Talente und fördert die Karriereentwicklung. Instrumente sind:

  • Interne Stellenausschreibung: Offene Positionen werden zunächst den bestehenden Mitarbeitenden angeboten, was die interne Mobilität fördert.
  • Versetzungen und Beförderungen: Mitarbeitende wechseln auf andere oder höhere Positionen. Das stärkt die Bindung und nutzt vorhandene Kenntnisse und Erfahrungen.
  • Mitarbeiterempfehlungen: Mitarbeitende empfehlen Kandidaten aus ihrem Netzwerk, unterstützt durch Anreizprogramme für erfolgreiche Empfehlungen.

Die Vorteile: kürzere Einarbeitung, geringere Rekrutierungskosten und höhere Mitarbeiterbindung. Ein möglicher Nachteil: Nicht immer sind die besten Talente für eine bestimmte Position im Unternehmen vorhanden.

Externe Personalbeschaffung

Die externe Personalbeschaffung rekrutiert neue Mitarbeitende von außerhalb. Sie öffnet den Zugang zu einem größeren Talentpool und bringt frische Ideen und Perspektiven. Instrumente sind:

  • Stellenanzeigen: Jobangebote auf Jobportalen, in Zeitungen und auf der Unternehmenswebsite erreichen eine breite Zielgruppe.
  • Jobmessen: Auf Karrieremessen kommen Sie direkt mit Kandidaten in Kontakt und stellen Ihr Unternehmen vor.
  • Social Media Recruiting: Auf Plattformen wie LinkedIn, Xing und Facebook suchen Sie gezielt nach passenden Profilen und erhöhen die Reichweite.
  • Headhunter und Personalberatungen: Spezialisierte Dienstleister suchen gezielt nach Fach- und Führungskräften.
Gegenüberstellung interner Personalbeschaffung (z. B. Versetzung) und externer Personalbeschaffung (z. B. Active Sourcing)

Die Vorteile: größere Auswahl an Bewerbenden, neue Ideen und frische Perspektiven. Nachteile können eine längere Einarbeitung und höhere Kosten im Vergleich zur internen Personalbeschaffung sein. Insgesamt profitieren Unternehmen von einer Kombination beider Ansätze – für den aktuellen Bedarf und eine langfristige Talentpipeline.

Kennzahlen und Datenanalyse

Mit Kennzahlen (KPIs) messen und optimieren Sie den Erfolg Ihrer passiven Rekrutierungsstrategien. Die wichtigsten:

KennzahlWas sie misst
Time-to-HireDie durchschnittliche Zeit, bis eine Position besetzt ist
Cost-per-HireDie durchschnittlichen Kosten einer Neueinstellung
Quality of HireDie Qualität der Eingestellten, gemessen an Leistung und langfristiger Bindung
Candidate Conversion RateDer Anteil der Kandidaten, die den Bewerbungsprozess erfolgreich durchlaufen und eingestellt werden

Unternehmensvorteile durch Passive Sourcing

  • Effizienz und Kostenersparnis: Über bestehende Bewerberdatenbanken und Initiativbewerbungen greifen Sie schnell auf geeignete Kandidaten zu – ohne umfangreiche Rekrutierungsmaßnahmen. Das senkt Kosten und verkürzt die Zeit bis zur Einstellung.
  • Kontinuierliche Talentpipeline: Eine gepflegte, aktuelle Bewerberdatenbank gibt Ihnen jederzeit Zugriff auf potenzielle Kandidaten – und damit die Möglichkeit, schnell auf plötzlichen Personalbedarf zu reagieren.
  • Stärkere Arbeitgebermarke: Starkes Employer Branding und eine gut gepflegte Karriereseite ziehen kontinuierlich Talente an, verbessern das Image und erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Initiativbewerbungen.

Fazit

Die Zukunft der Personalbeschaffung liegt in einer strategischen Kombination aus aktiven und passiven Rekrutierungsmaßnahmen. Aktive Maßnahmen decken kurzfristigen Bedarf, passive Personalgewinnung sorgt für eine kontinuierliche Talentpipeline. Unternehmen, die beide Methoden wirksam nutzen, gewinnen die besten Talente und sichern ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig.